From Thailand with love: Stuttgarter Food Startup Gründerin Pim Ampikitpanich

Meine heutige Gesprächspartnerin Pim Ampikitpanich sieht aus, als ob sie einem Werbeflyer von TUI entsprungen wäre: Eine bezaubernde Thailänderin mit makelloser Haut, nur noch eine Frangipani-Blume im Haar fehlt. Pims elfenhafte Erscheinung – zarter Körperbau und unschuldig dreinblickende Augen – kann täuschen, stelle ich im Verlauf unseres Gesprächs fest. Dahinter verbirgt sich der unbeugsame Wille, ihr Food Startup KONKRUA zum Erfolg zu führen.

KONKRUA’s Slogan „Bring back the taste of Thailand“ bringt genau auf den Punkt, was Pim damit erreichen wollte. Menschen, die Thailand als Urlaubsland besucht und die thailändische Küche zu lieben gelernt haben, sollen die Möglichkeit bekommen, diesen Geschmack zu sich nach Hause zu holen. KONKRUA stellt zusammen und liefert Food-Boxen mit allen Zutaten – direkt aus dem Land der Frangipani-Blumen.

Kompletter Artikel als Audio zum unterwegs hören:

Pim: „Ich kam vor 6 Jahren nach Deutschland, um hier zu studieren. Ich wollte eigentlich immer in der Werbebranche arbeiten. Schon im Studium bin ich in meinem Traumjob bei meiner Traumagentur gelandet. Aber nach einiger Zeit habe ich gemerkt, dass ich einfach nicht aufhören kann, an meine KONKRUA-Idee zu denken. Als freiheitsliebender, kreativer Geist ist man im Unternehmertum am besten aufgehoben. In einem Angestelltenverhältnis – auch in einer Kreativ-Agentur – gibt es immer Grenzen, die einem andere aufzeigen.

Letztendlich habe ich für mich entschieden, dass mir meine Freiräume wichtiger sind, als ein sicherer Verdienst in bestimmter Höhe.

Dafür wache ich heute jeden Morgen voller Vorfreude auf. Stets in dem Wissen, dass alles, was ich tue, mein Business und mich nach vorne bringt.“

Für eine Ausländerin in Deutschland ist es nicht einfach, ein eigenes Business zu starten Auch wenn du eine zündende Idee hast. Die Ausländerbehörde stellte für Pims Idee nicht gerade eine rosige Prognose auf.

Pim: „Sie haben gesagt, dass es bisher fast niemand geschafft hat, eine Aufenthaltserlaubnis als Student mit einer Startup-Idee zu bekommen. In der Regel bekommt man eine Aufenthaltserlaubnis nur dann, wenn man das macht, was man studiert hat.

Ich habe nicht locker gelassen und habe mehrere Gespräche mit IHK-Beratern geführt. Herr Imgart von der IHK Göppingen war der erste, der mir Mut gemacht und Potenzial in meinem Vorhaben gesehen hat.“

Luba: „Wie kam Deine Idee zustande?“

Pim: „Bei einem Startup-Workshop sollten meine Kommilitonen und ich eine Idee entwickeln. Dort haben wir mit unterschiedlichen Konzepten im Bereich Food herum experimentiert. Unser ursprüngliches Vorhaben wurde nicht realisiert. Aber danach hat mich meine eigene Idee nicht mehr losgelassen. Die Inspiration kam von meinen Freundinnen, denen ich beibringen wollte, thailändisch zu kochen. Viele Deutsche waren schon mal in Thailand und brachten die Begeisterung für thailändisches Essen mit. Sie machen dann vielleicht auch noch einen Kochkurs für Thai-Essen. Aber das alles bringt wenig, wenn man nicht die passenden Zutaten hat.“

Mit den authentischen Zutaten aus Thailand vermeidet man den „Urlaubswein“-Effekt: Eine Familie, die Urlaub in Italien gemacht hat und jeden Abend einen köstlichen Wein genossen hat, bringt eine Kiste davon mit. Aber irgendwie schmeckt der Wein zu Hause anders. Da hilft KONKRUA.

Pim: „Um zu belegen, dass mein Plan potenzielle Interessenten hatte, habe ich in Eigenregie eine Umfrage im Shopping Center Milaneo durchgeführt. Die Ergebnisse meiner Befragung haben mich überzeugt, die Idee weiter zu verfolgen. Damit hatte ich einen Beweis, dass Nachfrage da ist. Soweit so gut.

Die Umsetzung war dann aber viel schwieriger. Zum einen war da das Problem mit der Aufenthaltserlaubnis. Ein ausländischer Gründer muss zunächst mit seinem Business Plan einen Genehmigungsprozess bei der IHK durchlaufen. Dieser Prozess hat ein ganzes Jahr in Anspruch genommen.

Ich hatte sehr wenig Geld und musste mir irgendwie Kapital beschaffen. In Deutschland gelten zudem sehr strenge Vorschriften in Bezug auf den Vertrieb von Lebensmitteln.“

Luba: „Wie kam Dein erster Kunde?“

Pim: Ich habe sehr klein angefangen. Ich habe oft die Netzwerk-Events von der IHK besucht und für kleinere Beträge Facebook-Werbung geschaltet.

Ich war, glaube ich, bei jeder kostenlosen Startup-Veranstaltung, die ich finden konnte.

Jedes Mal habe ich mein Projekt gepitcht. Dadurch bekam ich einige Kunden und wurde von Startup-Magazinen interviewt. Durch ein solches Interview bei Startup Valley wurde z.B. ein Investor aus Hamburg auf mich aufmerksam. Die Sichtbarkeit auf unterschiedlichen Plattformen ist sehr wichtig!

Ich habe viele Firmen besucht, insbesondere thailändische Organisationen in Deutschland. Manche dieser Firmen haben mein Produkt als Geschenk für ihre Geschäftspartner bestellt. Diese haben mich dann wiederum weiter empfohlen, weil es ihnen gut geschmeckt hat.

Ich musste während dessen viel lernen, z.B. dass man eine extra Genehmigung benötigt, um Flyer verteilen zu dürfen…

Die IHK Göppingen hat den Kontakt zum Geschäftsführer von Edeka hergestellt und ich durfte ihnen meine Produkte vorstellen. Jetzt hoffe ich auf eine erfolgreiche Kooperation mit Edeka. Dafür müsste ich allerdings kleinere Verpackungen kreieren.

Ich bin bisher eine „One Woman“-Show und mache alles allein. Dessen muss man sich bewusst sein.

Aber es geht immer weiter.“

Luba: „Hattest Du Unterstützung der thailändischen Community?“

Pim: „Nein. Ich bin, soweit ich weiß, die erste Thailänderin in Deutschland, die ein Startup aufzieht. Ich bekam Unterstützung von der thailändischen Vertretung in Deutschland: Ich durfte sie zu Messen und Events begleiten mit meinem eigenen kleinen Stand.“

Luba: „Was würdest Du mit Deiner jetzigen Erfahrung beim Start anders machen?“

Pim: „Ich weiß nicht, ob das an meiner thailändischen Mentalität liegt, dass wir nicht besonders strukturiert vorgehen… Ich habe damals einfach losgelegt. Ich entwickle mein Produkt permanent weiter, das möchte ich auch nicht ändern. Aber vielleicht könnte am Start noch mehr Struktur für das zukünftige Wachstum helfen. Z.B. könnte ich mir im Voraus Gedanken über Lieferanten meiner Verpackung machen, wenn ich in Serie gehe. Allerdings sind die Optionen sehr beschränkt, wenn kein Kapital zur Verfügung steht.“

Luba: „Wem würdest Du für Deinen Weg in die Selbständigkeit „Danke“ sagen wollen?“

Pim: „Oh, ich kann sie garnicht alle aufzählen! Diese Menschen sind alle in meinem Team, obwohl sie nicht auf meiner Payroll stehen. Meinen Eltern in Thailand dafür, dass sie nicht erwarten, dass ich direkt nach dem Studium damit anfange, Geld nach Hause zu schicken. Dem thailändischen Konsulat und der Handelsvertretung. Meinen Freundinnen für die Inspiration. Meiner Geschäftspartnerin in Thailand, die mir tolle Zutaten liefert. Meinem Steuerberater. Ganz besonders der IHK Stuttgart und meinem Berater bei der IHK Göppingen, Herrn Gernot Imgart, den muss ich einfach erwähnen! Er war der erste, der an meine Idee geglaubt hat. Ohne ihn gäbe es KONKRUA nicht.“

Luba: „Welchen Rat würdest Du anderen Unternehmern mit ausländischen Wurzeln geben, die sich selbständig machen wollen?“

Pim: „Nicht den negativen Berichten über Selbständigkeit in Deutschland glauben, die online kursieren! Man liest viele negative Stimmen von einigen, die Startup-Gründung in Deutschland mit den USA vergleichen. In Deutschland ist angeblich vieles bürokratischer, man zahlt viel an Steuern… Meiner Erfahrung nach steckt wenig Wahrheitsgehalt darin.

Im Internet findet man viele Sorgen und Angst, aber wenige Lösungen. Geh zu Veranstaltungen, sprich mit Menschen.

Daher wäre mein Rat: Informiere dich gründlich bei Spezialisten. Es gibt viele vertrauenswürdige Quellen wie Startup-Center an der Uni, IHK, Handelsverbände oder der Steuerberater deines Vertrauens.

Sei wie ein leeres Glas. Neugierig und bereit, aufzunehmen.

Wenn Leute merken, man ist wirklich neugierig, teilen und unterstützen sie gern.
Nicht jedoch, wenn man glaubt, alles bereits zu wissen und nur nach Bestätigung der eigenen Sicht sucht. Wenn du es schaffst, Menschen davon zu überzeugen, dass du motiviert bist und mit deiner Idee Gutes tun willst, dann geben sie sogar mehr, als du erwartest.

Lass dich nicht entmutigen! Auch nicht von der eigenen Familie. Am Anfang war mein Vater der Meinung, dass sich niemand für thailändisches Kochen interessieren würde. Negative Stimmen verletzen und manchmal verliert man die Hoffnung. Ich hatte allerdings die Ergebnisse meiner Umfrage und die positive Einschätzung der IHK im Rücken, nicht nur meinen eigenen Optimismus. Verlass dich auf Erfahrung von dir und anderen, nicht auf die Meinung einzelner Menschen.

Viele wollen etwas gründen, aber nur wenige sind bereit, bei diesem Prozess auf die Nase zu fallen und dabei wenig Geld zu haben.

Ich habe ein Jahr lang darauf hingearbeitet, ohne die Gewissheit zu haben, dass es funktionieren würde. Aber es lohnt sich. Ich blicke nun auf die Früchte meiner Arbeit. Das erfüllt mich mit Stolz und lässt mich jeden Tag voller Freude aufstehen!“

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