Youtube für Audio: SpeakStaff Gründer Albert über seine Visionen

Foto_Albert_BrueckmannAlbert Brückmann und ich haben uns bei einem Meeting kennengelernt, bei dem wir über eine mögliche Kooperation zwischen Lidl und Alberts Projekt SpeakStaff diskutiert haben. Der dynamische junge Mann erzählte überzeugend über die Vorteile von SpeakStaff für Unternehmen. SpeakStaff verwandelt Texte von Blogbeiträgen, Newslettern oder Trainingsunterlagen in hörbare Inhalte. Man ist nicht mehr auf Papier oder Bildschirm angewiesen, sondern kann die Hörbeiträge immer und überall hören. Was Youtube für Video ist, will SpeakStaff für Audio werden.

Die Idee zu SpeakStaff, erzählte mir Albert später, ist ihm in der Badewanne gekommen. Als Familienvater und Unternehmer hatte er häufig zu wenig Zeit, um Blogartikel zu lesen, die ihn interessiert haben. “Wie schön wäre es”, dachte er sich, “wenn ich die aktuellen Beiträge aus meinem Lieblingsblog jetzt beim Entspannen in der Badewanne hören könnte!”

Gedacht, getan. Aktuell wurden die Produktionen von SpeakStaff mehr als 160.000 Mal bei iTunes abgespielt – und nun will Albert in den Business-Bereich expandieren.

Albert: Ich bin im Alter von 14 Tagen nach Deutschland gekommen. Ich sage auch absichtlich nicht Heimatland zum Kaukasus. Die Geschichte von uns Russlanddeutschen ist eigentlich eine ganz spannende. Meine Vorfahren kamen auf Einladung von Katharina der Großen nach Russland, um die dortige Wirtschaft anzukurbeln. Immigrieren war aber schon damals problematisch. Während des zweiten Weltkrieges grenzten die Einheimischen die Nachfahren der Deutschen als Faschisten aus, obwohl sie damit natürlich gar nichts zu tun hatten…

Traurig, aber wahr: Meine Oma berichtete mir von gleichen Problemen, als sie wieder nach Deutschland zurückkehrten. Sie wurden nicht als Deutsche, sondern als Ausländer angesehen und behandelt. So etwas passiert, weil die Leute keine Ahnung haben. Deswegen war ich froh, als ich vor kurzem eine aufklärende Dokumentation über die Russlanddeutschen gesehen habe…

Als ich nur zwei Wochen alt war, sind meine Eltern also mit mir ins Flugzeug gestiegen und wir sind nach Waiblingen gekommen. Von dort aus nach Crailsheim bei Schwäbisch Hall. In Crailsheim angekommen, begann mit 12 Jahren meine erste Phase der Selbständigkeit. Ich habe jeden Samstag 400 Zeitungen ausgetragen. Nach einer Weile dachte ich mir: „Es wäre doch cool, nebenher ein kleines eigenes Business aufzuziehen!“ Ich habe 400 Flyer gedruckt mit dem Angebot, ich würde meinen Zeitungskunden bei Bestellung gleichzeitig Brötchen mitbringen. Ich muss aber gestehen, da kam kein Feedback zurück. Die Leute haben ihre Brötchen wohl lieber selbst gekauft.

Luba: Der Versuch zählt!

Albert: Ich habe verschiedene Ferienjobs gemacht, bis ich mir mit 15 einen Aldi-Computer anschaffen konnte. Ich habe schon ein Jahr vorher die “Computer Bild” abonniert und mich eingelesen.

In den folgenden zwei Jahren habe ich es so weit gebracht, dass aus allen Kritikern Leute geworden sind, die zu mir kamen, wenn sie Probleme mit ihren Computern hatten. Ein Lehrer aus dem Wirtschaftsgymnasium hat mir geholfen, mein erstes Geschäft aufzubauen. Daraus ist dann der Computerservice “PCproblemlos” geworden.

Meine Art zu denken hat sich seit diesem Zeitpunkt komplett verändert, weil mir klar geworden ist: Ich will nicht mehr abhängig sein von einem Arbeitgeber. Ich kann meinen “Berg” an Arbeit komplett selbst planen. Ich kann selbst mein Einkommen bestimmen.

Nach einem Artikel in der lokalen Zeitung konnte ich mich vor Aufträgen kaum retten. Es ging so weit, dass meine Mutter mir irgendwann mal gesagt hat: “Albert, jetzt isch Schluss, Du musch Dich auf Dein Abi konzentrieren!”

Luba: Du warst nach dem Abitur eine zeitlang bei der Lidl Stiftung&Co. KG angestellt. Warum bist Du nicht selbständig geblieben und bist den “normalen” Weg gegangen?

Albert: Ich hatte mit 17 folgenden Gedanken: kann ich mir das wirklich vorstellen, auch im Alter von 40, 50 Jahren weiterhin Computerteile zu verkaufen? Und wusste schon damals: Ne, das ist mir zu klein. Das war es relativ einleuchtend, das Studium der Digitalen Medien, den Lidl als dualen Studiengang bot, zu wählen. Nach 5 Jahren bei Lidl habe ich mich dazu entschlossen, Lidl zu verlassen und mir neben PCproblemlos ein zweites Standbein aufzubauen. Ich gründete eine Webagentur mit Fokus auf Online Marketing: zählpixel.com.

Das war mir allerdings immer noch zu regional. Ich wollte weiterhin mehr! So entstand die Idee zu SpeakStaff. Es gibt viele gute Inhalte, die im Internet präsent sind und die relativ schnell wieder untergehen. Man könnte die Verbreitung steuern, indem man Menschen, die diese Artikel aus Zeitmangel nicht lesen können, die Möglichkeit gibt, diese zu hören.

Ich bin ein Macher! So habe ich mich direkt nach der ersten Marktanalyse ans Werk gemacht.

Ich habe Sprecher rekrutiert, machte mich auf die Suche nach guten Stimmen. Ein Freund aus der Schweiz mit einem großen Blog-Netzwerk stellte seine Inhalte dafür zur Verfügung und wurde gleichzeitig mein erster zahlender Kunde. Vor kurzem haben wir mit unserem relativ frischen Service die Marke von 160.000 Plays  bei iTunes durchbrochen.

Luba: Wie unterscheidet sich Deiner Meinung nach das Geschäftsleben in Deutschland vom “eigenes Business haben” in Deinem Heimatland?

Albert: Dadurch, dass die Globalisierung weiterhin stark voranschreitet, gleichen sich die Chancen der digitalen Spezialisten an. Es ist aber auch so, dass es eine grosse Rolle spielt, wo man ist. Ob ich jetzt in Mosbach bin oder in Silicon Valley – es hat grundlegende Auswirkungen auf mein Business. Ich glaube nicht, dass ich im Kaukasus die gleichen Ziele erreicht hätte, wie ich sie hier in Deutschland erreicht habe. Auch wenn online zu sein global bedeutet, ist man immer abhängig vom persönlichen Netzwerk.

Luba: Welche Rolle spielte die internationale Community für Deinen Erfolg?

Albert: In der Zukunft wird es vor allem im Hinblick auf SpeakStaff wichtig sein, dass wir viele native Speaker haben. D.h. ich werde die internationale Community mehr brauchen sowie Menschen, die mitmachen wollen.

Luba: Lass uns mal ein paar Worte verlieren zu Deinem neuen Projekt Meminto.

Albert: Für mich ist das gar nicht so neu. Die ersten Gedanken dazu kamen 2008, auf meinen täglichen Fahrten zu Lidl. Ich dachte mir oft: Was wäre eigentlich, wenn ich bei einer dieser Fahrten ums Leben käme? Plötzlich und unerwartet. Ich war damals frisch verheiratet. Meine Frau wusste über viele Dinge noch nicht Bescheid: Von meinen Verträgen, meinen Konten…

Und so entstand die Idee zu meinem Projekt Meminto. Was passiert mit unserem digitalen Nachlass, wenn wir mal nicht mehr da sind? Ich habe mit Meminto ein Tool geschaffen, das Menschen ermöglicht, auch nach ihrem Tod ihren Lieben Nachrichten zu hinterlassen und an ihrem digitales Erbe teil zu haben.

Meminto ist das Projekt, das ich global ausrollen möchte. Der Markt dafür ist da, die Leute wissen es nur noch nicht. Man muss ihnen dieses Instrument an die Hand geben, diese Idee in ihren Kopf einpflanzen… Denn 10 von 10 Menschen sterben. Jedes Jahr sind das 54 Millionen. Der Markt ist riesig. Es ist aber auch ein heikles Thema, es polarisiert…

Luba: Du hast mittlerweile einen langen Weg als Unternehmer hinter Dir. Was hättest Du beim Start anders gemacht mit Deiner jetzigen Erfahrung?

Albert: Ich hätte mir frühzeitig Gedanken gemacht über meinen Standort. Wo will ich mein Projekt aufbauen? Es ist sehr schwierig, SpeakStaff aus Mosbach heraus zu betreiben. Ich hätte mir damals meine Frau schnappen sollen und wir hätten nach Berlin oder nach Hamburg, einfach in die Szene ziehen sollen, wo es gut wächst. Wenn man den Plan hat, mit einem Vorhaben etwas Großes zu schaffen, dann muss man auch dorthin gehen, wo große Pflanzen wachsen… Ich glaube der beste Startpunkt ist aktuell in Städten wie San Francisco, Tel Aviv oder Berlin.

Luba: Welchen Rat würdest Du anderen Migranten geben, die mit dem Gedanken spielen, etwas Eigenes aufzubauen?

Albert: Ich denke, es ist wichtig, dass man sich als Migrant niemals einreden lässt, man würde etwas nicht schaffen, weil man nicht dazu gehört. Diesen Satz habe ich oft gehört, als ich neu dazu kam und meinen Computerservice aus Crailsheim nach Mosbach verfrachtet habe. Ich war zum Beispiel in einem großen Technikfachmarkt und habe meine Computer-Ausstattung eingekauft. Bei der Bezahlung fragte mich ein junger Mann an der Kasse: ”Wozu brauchst Du so viel Zeug?” Ich habe gesagt: ”Ich betreibe hier demnächst einen Computer-Service.” Er lachte und meinte: “Also in Mosbach wirst du es nicht schaffen, wenn du nicht von Anfang an dazu gehörst und dich keiner kennt.” Einige Jahre später waren wir – dann schon zu zweit – der beliebteste Computerservice in Mosbach, was uns ganz häufig bestätigt wird.

Kenne deine Zielgruppe, ihre Stärken und Schwächen und vor allem ihre Probleme und Bedürfnisse. Wenn du Lösungen für Probleme anbietest, ist es den Leuten egal, ob du Migrant bist oder nicht. Wenn du die Lösung für ihr Problem hast, kommen sie zu dir!

Ich berichte in meinem Blog über erfolgreiche Unternehmer mit Migrationshintergrund, um durch ihre Erfolgsgeschichten neue Vorbilder für junge Migranten zu schaffen. Mach mit!

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